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IT-Fachkräfte-Index bricht um 37 Prozentpunkte ein

Der IT-Fachkräfte-Index fällt um 37 Prozentpunkte. Nur Datenbankentwickler profitieren weiterhin vom KI-Boom.

VonStartup Insider3 Minuten Lesezeit
IT-Fachkräfte-Index bricht um 37 Prozentpunkte ein

Die Nachfrage nach IT-Fachkräften in Deutschland ist im zweiten Quartal 2026 deutlich gesunken. Der Fachkräfte-Index des Personaldienstleisters Hays fiel im IT-Sektor um 37 Prozentpunkte auf einen Wert von 59 – stärker als die Gesamtnachfrage nach qualifiziertem Personal.

IT-Arbeitsmarkt verliert deutlich an Dynamik

Der Hays-Fachkräfte-Index untersucht quartalsweise, wie sich die Nachfrage nach Fachkräften in deutschen Stellenanzeigen entwickelt. Über alle Berufsgruppen hinweg sank der Index gegenüber dem ersten Quartal 2026 um 26 Prozentpunkte auf 36.

Noch stärker fiel der Rückgang bei IT-Fachkräften aus. Der entsprechende Indexwert verringerte sich um 37 Prozentpunkte auf 59. Damit liegt die Nachfrage zwar weiterhin 59 Prozent über dem Niveau des Referenzquartals Q1 2015, der kurzfristige Trend zeigt jedoch klar nach unten.

Im ersten Quartal 2026 hatte Hays den IT-Arbeitsmarkt noch als überdurchschnittlich stabil eingeordnet. Der aktuelle Einbruch deutet nun darauf hin, dass Unternehmen ihre Neueinstellungen angesichts der schwachen Konjunktur, hoher Kosten und unsicherer Geschäftsaussichten stärker priorisieren.

Für Startups und Scaleups im DACH-Raum verändert das die Ausgangslage im Recruiting. Gefragte Profile werden nicht automatisch leicht verfügbar, doch Unternehmen können bei einigen Rollen mit mehr Bewerbungen und geringerer Konkurrenz durch Großkonzerne rechnen. Gleichzeitig dürften viele Arbeitgeber stärker darauf achten, ob neue Mitarbeitende kurzfristig messbaren Nutzen liefern.

IT-Security bleibt gefragt – trotz starkem Rückgang

IT-Security-Spezialist führen das Ranking weiterhin mit einem Indexwert von 373 an. Gegenüber dem Vorquartal sank der Wert allerdings um außergewöhnlich starke 136 Prozentpunkte.

Auch SAP-Entwickler bleiben mit einem Indexstand von 196 vergleichsweise gefragt. Ihre Nachfrage ging jedoch um 109 Prozentpunkte zurück. Beide Beispiele zeigen, dass ein hoher Indexwert nicht automatisch einen wachsenden Arbeitsmarkt bedeutet. Die Zahl der Ausschreibungen kann deutlich sinken und trotzdem weit über dem Niveau von 2015 liegen.

Spürbar schwächer entwickelte sich die Nachfrage auch nach IT-Berater. Ihr Index verlor 55 Prozentpunkte. Bei IT-Administrator betrug das Minus 49 Prozentpunkte, während IT-Architekt und IT-Entwickler jeweils 31 Prozentpunkte einbüßten.

Besonders angespannt ist die Situation für mobile Entwickler sowie Java- und .Net-Entwickler. In diesen Bereichen liegt die Nachfrage inzwischen deutlich unter dem Ausgangsniveau des ersten Quartals 2015.

Datenbankentwickler profitieren vom KI-Boom

Eine Berufsgruppe widersetzt sich dem Abwärtstrend: Datenbankentwickler. Ihre Nachfrage stieg im zweiten Quartal um neun Prozentpunkte auf einen Indexwert von 322.

Hays führt diese Entwicklung auf den anhaltenden KI-Boom zurück. Unternehmen erkennen zunehmend, dass sie Anwendungen mit künstlicher Intelligenz nicht auf fragmentierten Datenbeständen und unzureichenden Systemstrukturen aufbauen können. Bevor KI-Modelle produktiv eingesetzt werden, müssen Daten verfügbar, konsistent, sicher und technisch verwertbar sein.

Davon profitieren Fachkräfte, die Datenbanken entwickeln, bestehende Datenlandschaften modernisieren oder Informationen aus unterschiedlichen Systemen zusammenführen. Für Startups bedeutet das: Investitionen in KI erhöhen nicht nur den Bedarf an Machine-Learning-Expert. Sie schaffen auch Nachfrage nach Datenarchitektur, Infrastruktur und technischer Integration.

Fachkräftemangel verschwindet nicht vollständig

Der Rückgang bei den Stellenanzeigen trifft auf einen insgesamt schwächeren deutschen Arbeitsmarkt. Im Juli 2026 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf mehr als drei Millionen. Die bundesweite Arbeitslosenquote lag bei 6,4 Prozent.

Auch das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigte erstmals seit längerer Zeit keinen positiven Beschäftigungsausblick mehr. Als Belastungen gelten unter anderem die wirtschaftliche Schwäche, der demografische Wandel und steigende Energiepreise infolge geopolitischer Konflikte.

Trotzdem bleibt die Besetzung spezialisierter Positionen für viele Unternehmen schwierig. Rechnerisch kommen laut den im Ausgangsartikel genannten Daten auf 100 arbeitslose Personen 166 offene Stellen. Vor allem kleinere Firmen kämpfen weiterhin damit, passende Kandidat für bestehende Vakanzen zu finden.

Für Gründer und Investor ist deshalb eine differenzierte Betrachtung entscheidend. Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte kühlt ab, doch Spezialwissen bleibt knapp. Unternehmen sollten Stellen nicht mehr allein mit einem allgemeinen Fachkräftemangel begründen, sondern klar definieren, welche Kompetenzen für Wachstum, Effizienz und KI-Projekte tatsächlich benötigt werden.

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