KI drückt Gehälter: Diese 6 Jobs trifft es besonders hart
KI bremst das Lohnwachstum in stark betroffenen Berufen – besonders Programmierer, Datenexperten und Geringverdiener spüren den Druck.

Künstliche Intelligenz vernichtet bislang kaum Arbeitsplätze, setzt aber bereits die Gehälter unter Druck. Eine neue Analyse zeigt, welche Berufe besonders betroffen sind und warum Beschäftigte mit niedrigen Einkommen die Folgen zuerst spüren.
KI bremst das Lohnwachstum stärker als die Beschäftigung
Eine Studie von Apollo Global Management untersucht, wie sich der Einsatz von KI auf Löhne und Beschäftigung in den USA auswirkt. Dafür analysierten die Autoren Daten zu 321 Berufen und verglichen deren Lohnentwicklung mit der jeweiligen KI-Exposition.
Das zentrale Ergebnis: In Berufen, deren Aufgaben besonders stark durch KI verändert oder automatisiert werden können, sank das reale Lohnwachstum seit 2023 durchschnittlich um 6,7 Prozent. Einen vergleichbaren Effekt auf die Zahl der Arbeitsplätze konnten die Analysten bislang nicht feststellen.
KI ersetzt Beschäftigte demnach nicht zwangsläufig vollständig. Unternehmen können mit denselben Teams jedoch produktiver arbeiten, offene Stellen langsamer nachbesetzen oder den Spielraum für Gehaltserhöhungen begrenzen. Für Arbeitnehmer zeigt sich der technologische Wandel damit möglicherweise zuerst auf der Gehaltsabrechnung und erst später in den Beschäftigungszahlen.
Geringverdiener geraten besonders unter Druck
Die Auswirkungen verteilen sich laut der Analyse nicht gleichmäßig. Besonders stark fiel der Rückgang des Lohnwachstums bei Beschäftigten mit niedrigen Einkommen aus.
Bei Servicekräften sank das Lohnwachstum seit 2023 im Durchschnitt um 24,3 Prozent. Arbeitnehmer im unteren Viertel der Einkommensverteilung verzeichneten einen Rückgang von 10,7 Prozent. Bei den Spitzenverdienern stellten die Autoren dagegen keinen statistisch signifikanten Effekt fest.
Eine mögliche Erklärung: Beschäftigte mit höheren Einkommen übernehmen häufiger komplexe, strategische oder verantwortungsbezogene Aufgaben. KI unterstützt diese Tätigkeiten, ersetzt sie aber bislang seltener vollständig. Standardisierte und wiederkehrende Aufgaben lassen sich dagegen schneller automatisieren oder mit weniger Personal erledigen.
Für den Arbeitsmarkt entsteht dadurch ein zusätzliches Risiko. Arbeitnehmer mit geringeren Einkommen verfügen oft über weniger finanzielle Reserven und haben seltener Zugang zu Weiterbildungen. Gerade sie könnten deshalb Schwierigkeiten haben, auf neue Anforderungen zu reagieren.
Diese 6 Berufe verzeichnen sinkende Reallöhne
Zu den stark von KI betroffenen Tätigkeiten gehören vor allem technische und administrative Berufe. Programmierer verzeichneten zwischen 2022 und 2024 einen Rückgang der Reallöhne um 6,1 Prozent. Ihr Wert für die KI-Exposition lag auf einer Skala des KI-Unternehmens Anthropic bei 0,75.
Bei statistischen Assistenten sanken die Reallöhne um 5,4 Prozent. Software-Tester und Quality-Assurance-Analysten verloren 2,9 Prozent, Datenbankarchitekten 2,7 Prozent. Medizinische Transkriptionisten kamen auf ein Minus von 1,5 Prozent.
Auch Vertriebsmitarbeiter im Großhandel und in der Fertigungsindustrie waren betroffen. Ihre realen Löhne sanken um 1,3 Prozent, sofern sie nicht mit technischen oder wissenschaftlichen Produkten arbeiteten.
Die Zahlen sprechen dafür, dass nicht nur einfache Routinetätigkeiten unter Druck geraten. Auch qualifizierte Wissensarbeit verändert sich, sobald KI einen großen Teil der Recherche, Dokumentation, Programmierung oder Qualitätskontrolle übernehmen kann.
Nicht jeder Lohnrückgang lässt sich mit KI erklären
Die Autoren warnen zugleich vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Sinkende Reallöhne können auch durch branchenspezifische Krisen, eine schwächere Nachfrage oder Veränderungen bei der Datenerhebung entstehen.
So gingen die Reallöhne von Rundfunkmoderatoren und Radio-DJs innerhalb von zwei Jahren um 52 Prozent zurück, obwohl ihre KI-Exposition vergleichsweise gering ausfiel. Hier dürften vor allem strukturelle Veränderungen in der Medienbranche eine Rolle gespielt haben.
Umgekehrt stiegen die Einkommen in einigen Berufen trotz einer mittleren KI-Exposition. Finanzberater erzielten ein reales Lohnplus von 8,4 Prozent. Bei Verwaltungsrichtern, Anhörungsbeamten und vergleichbaren juristischen Berufen lag der Anstieg sogar bei 17,5 Prozent.
KI-Exposition allein entscheidet somit nicht über die Gehaltsentwicklung. Branchennachfrage, Verhandlungsmacht, Regulierung und die Fähigkeit, KI produktiv einzusetzen, bleiben wichtige Faktoren.
Was die Ergebnisse für den DACH-Arbeitsmarkt bedeuten
Die Studie basiert auf Daten aus den USA und lässt sich nicht eins zu eins auf Deutschland, Österreich und die Schweiz übertragen. Dennoch liefert sie ein relevantes Signal für Startups, Beschäftigte und Investoren im DACH-Raum.
Gerade junge Unternehmen führen KI-Tools häufig schneller ein als etablierte Konzerne. Das kann die Produktivität erhöhen und Teams entlasten. Ohne klare Weiterbildungs- und Vergütungsmodelle droht jedoch ein Konflikt: Unternehmen profitieren von höherer Leistung, während Beschäftigte stagnierende Gehälter und steigende Anforderungen erleben.
Für Gründer wird entscheidend sein, Produktivitätsgewinne nicht ausschließlich als Möglichkeit zur Kostensenkung zu betrachten. Wer Mitarbeiter frühzeitig qualifiziert, neue Verantwortungsbereiche schafft und zusätzliche Leistung angemessen vergütet, kann KI als Instrument für Wachstum und Mitarbeiterbindung nutzen.
Beschäftigte sollten wiederum stärker dokumentieren, welchen messbaren Mehrwert sie mit KI erzielen. Reine Ausführungskompetenz verliert an Wert, während Urteilsvermögen, Kommunikation, Branchenwissen und die Kontrolle automatisierter Ergebnisse wichtiger werden.
Die Studie schätzt, dass bereits rund 5,8 Millionen Menschen in den USA in Berufen mit hoher KI-Exposition arbeiten. Mit der weiteren Verbreitung der Technologie dürfte diese Zahl steigen. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr nur, welche Jobs verschwinden, sondern auch, wer von den Produktivitätsgewinnen profitiert.
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