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Der deutsche Arbeitsmarkt wird für Berufseinsteiger deutlich schwieriger. Eine Analyse von Indeed zeigt: Seit dem Höchststand im Juli 2022 ist das Angebot an Einstiegsjobs um mehr als zwei Drittel gefallen – während zwei Branchen gegen den Trend wachsen.
Einstiegsjobs verlieren deutlich stärker als der Gesamtmarkt
Indeed hat Stellenausschreibungen in Deutschland seit 2019 ausgewertet und dafür Begriffe wie „Junior“, „Berufseinstieg“, „Trainee“, „Absolvent“ und „Young Professional“ untersucht. Bis 2022 entwickelte sich der Markt zunächst positiv: Im Juli 2022 lag die Zahl entsprechender Stellenanzeigen 75 Prozent über dem Niveau von 2019.
Danach drehte sich der Trend. Seit dem Höchststand sank das Angebot an Einstiegsjobs laut Indeed um mehr als zwei Drittel. Der gesamte Stellenmarkt schrumpfte im gleichen Zeitraum ebenfalls, allerdings nur um rund ein Drittel.
Für Absolventen und junge Fachkräfte bedeutet das deutlich mehr Konkurrenz um weniger offene Positionen. Gerade für Startups und Wachstumsunternehmen im DACH-Raum ist die Entwicklung relevant: Wer Junior-Stellen streicht, spart kurzfristig Personalkosten, riskiert aber langfristig Lücken beim Aufbau eigener Talente.
Marketing, IT und Projektmanagement besonders betroffen
Der Rückgang zieht sich durch fast alle untersuchten Berufsgruppen. In 26 von 28 Bereichen ging das Angebot an Einstiegsjobs zurück. In 23 Berufsgruppen fiel die Entwicklung sogar schwächer aus als im Gesamtmarkt.
Besonders betroffen sind klassische Bürojobs, unter anderem in Marketing, IT und Projektmanagement. Genau dort können Unternehmen Aufgaben heute stärker automatisieren, Prozesse bündeln oder von erfahreneren Mitarbeitern übernehmen lassen.
Zwei Bereiche entwickeln sich dagegen besser: Pflege, Medizin und Pharmazie sowie Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie. Viele Einstiegsmöglichkeiten entstehen dort allerdings über berufliche Ausbildungen statt über klassische Junior- oder Trainee-Stellen.
Ausbildung wird für Berufseinsteiger attraktiver
Während Einstiegsjobs einbrechen, bleibt der Ausbildungsmarkt vergleichsweise robust. Zwischen August 2025 und Juli 2026 wurden laut Indeed rund 50 Prozent mehr Ausbildungsplätze ausgeschrieben als 2019.
Auch hier liegt das Angebot inzwischen unter früheren Höchstständen, der Rückgang fällt jedoch deutlich schwächer aus. In 20 von 23 untersuchten Berufsgruppen entwickelte sich das Ausbildungsangebot besser als das entsprechende Angebot klassischer Einstiegsjobs.
Für Arbeitgeber hat das Modell einen entscheidenden Vorteil: Unternehmen können Nachwuchskräfte gezielt für den eigenen Bedarf qualifizieren und langfristig binden. Gerade angesichts des Fachkräftemangels könnte die Ausbildung deshalb auch für Startups und mittelständische Unternehmen wieder strategisch wichtiger werden.
KI verschärft den Trend – erklärt ihn aber nicht allein
Künstliche Intelligenz dürfte den Druck auf bestimmte Junior-Rollen erhöhen. KI-Tools können Routineaufgaben übernehmen, die früher häufig Berufseinsteiger erledigt haben. Einen eindeutig messbaren KI-Effekt sieht Indeed in den Daten bislang allerdings nicht.
Der Rückgang der Einstiegsstellen begann bereits vor dem breiten Durchbruch generativer KI durch ChatGPT. Indeed-Ökonomin Virginia Sondergeld sieht deshalb die schwache Konjunktur als wichtigeren Treiber: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten reduzieren Unternehmen Investitionen in Nachwuchskräfte häufig besonders schnell.
Für Arbeitgeber entsteht damit ein Spannungsfeld. KI steigert kurzfristig die Produktivität und kann einfache Aufgaben automatisieren. Gleichzeitig müssen Unternehmen weiterhin Menschen ausbilden, die später komplexere Aufgaben und Führungsverantwortung übernehmen können.
Was der Trend für Startups und Talente bedeutet
Für Berufseinsteiger dürfte es wichtiger werden, neben formalen Abschlüssen konkrete Fähigkeiten nachzuweisen. Praktische Erfahrung, technisches Verständnis und der produktive Umgang mit KI können bei Bewerbungen stärker ins Gewicht fallen.
Startups wiederum sollten prüfen, welche Einstiegsrollen tatsächlich durch Automatisierung wegfallen und wo Junior-Talente weiterhin notwendig sind, um Wissen und Fähigkeiten im Unternehmen aufzubauen. Wer Nachwuchs ausschließlich als kurzfristigen Kostenfaktor betrachtet, könnte sich langfristig den eigenen Talentpool verkleinern.
Auch Ausbildungsmodelle können dabei interessanter werden. Entscheidend ist allerdings, dass ihre Inhalte mit der technologischen Entwicklung Schritt halten. Unternehmen müssen Nachwuchskräfte für Tätigkeiten qualifizieren, die auch in einer stärker KI-geprägten Arbeitswelt gefragt bleiben.
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