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71 Prozent der Gründer wollen vor allem Zweifler widerlegen

Eine Antler-Umfrage zeigt, warum Gründer vor allem Zweifler widerlegen wollen – und weshalb KI den Druck im Startup-Aufbau erhöht.

VonStartup Insider3 Minuten Lesezeit
71 Prozent der Gründer wollen vor allem Zweifler widerlegen

Geld ist für viele Gründerinnen und Gründer nicht der stärkste Antrieb. Eine Antler-Umfrage unter mehr als 120 europäischen Portfolio-Startups zeigt: Erfolgreiches Gründen gleicht immer stärker Hochleistungssport – mit KI als Beschleuniger, aber nicht als Abkürzung.

Warum Gründen heute extreme Belastbarkeit verlangt

Christoph Klink, General Partner beim Early-Stage-Investor Antler, beschreibt Startup-Aufbau als Disziplin für Menschen, die unter Druck nicht nur funktionieren, sondern aufblühen. Laut der Umfrage verzichten Gründerinnen und Gründer besonders häufig auf Urlaub, Familienzeit, soziale Events oder Sport. Für 43 Prozent wiegt der Verzicht auf Urlaub am schwersten, für 25 Prozent die geringere Zeit mit Familie oder Bewegung.

Trotzdem sagen viele Founder, dass sie ihre Arbeit lieben. Fast die Hälfte empfindet Tempo und hohe Anforderungen nicht nur als Belastung, sondern als Teil der eigenen Motivation. Für den DACH-Startup-Markt ist das eine wichtige Einordnung: Wer Talente für Early-Stage-Unternehmen gewinnen will, muss ehrlich kommunizieren, wie intensiv diese Phase wirklich ist.

Der wichtigste Antrieb ist nicht Geld

Besonders auffällig ist das Mindset der befragten Gründerinnen und Gründer. 71 Prozent geben an, täglich vom Wunsch angetrieben zu werden, ihre Zweifler zu widerlegen. 55 Prozent nennen als zentrale Motivation, das Beste aus sich herauszuholen.

Antler sieht darin ein Muster: Viele Founder haben schon vor der ersten Gründung in anderen Bereichen herausgestochen. 72 Prozent gehörten laut Umfrage bereits früher zur Top-1-Prozent ihrer Altersgruppe, etwa im Sport, in der Wissenschaft oder im Gaming. Dazu kommt eine hohe internationale Prägung: 96 Prozent haben schon in einer anderen Stadt oder einem anderen Land gelebt als dem Ort, an dem sie aufgewachsen sind.

Für Investoren heißt das: Nicht nur Markt, Produkt und Timing zählen. Persönlichkeit, Belastbarkeit und Umsetzungswille werden noch wichtiger, wenn Kapital und Technologie leichter zugänglich werden.

KI senkt Hürden, aber erhöht den Druck

Klink widerspricht der einfachen These, KI demokratisiere das Gründen vollständig. Zwar nutzen 93 Prozent der befragten Founder KI für Aufgaben, für die früher Spezialisten nötig gewesen wären. Der Full-Stack-Founder, der Produkt, Go-to-Market und Analyse schneller selbst vorantreibt, wird damit zur neuen Norm.

Gleichzeitig verschärft KI den Wettbewerb. Wenn viele Teams auf ähnliche Tools zugreifen, entscheidet nicht der Zugang zur Technologie, sondern die Geschwindigkeit und Konsequenz der Umsetzung. 52 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer nennen Claude oder Claude Code als unverzichtbares Tool, 16 Prozent ChatGPT.

Für Startups in Deutschland, Österreich und der Schweiz entsteht daraus ein klares Signal: KI ersetzt nicht den unternehmerischen Antrieb. Sie verstärkt ihn. Wer schneller testet, lernt und skaliert, verschafft sich einen Vorsprung. Wer nur Tools einführt, aber Arbeitsweise und Entscheidungsrhythmus nicht verändert, bleibt zurück.

Hustle Culture braucht mehr Ehrlichkeit

Die Antler-Daten zeigen auch die Schattenseite dieses Systems. 79 Prozent der Founder antworten wichtigen Stakeholdern innerhalb einer Stunde. Mehr als zwei Drittel prüfen Wachstumskennzahlen täglich. 14 Prozent sagen, das Tempo fühle sich nicht mehr nachhaltig an. 2 Prozent berichten, dass ihre Leistungsfähigkeit bereits aktiv leidet.

Damit wird eine unbequeme Wahrheit sichtbar: Startup-Erfolg auf höchstem Tempo belohnt eine sehr bestimmte Art von Mensch. Nicht jedes Talent will oder kann dauerhaft in diesem Modus arbeiten. Arbeitgeber im Startup-Umfeld sollten deshalb nicht nur Leistung feiern, sondern klare Erwartungen, gesunde Grenzen und realistische Rollenprofile schaffen.

Für Gründerinnen, Investoren und Teams im DACH-Raum liegt genau hier die Herausforderung. Ambition bleibt entscheidend. Aber wer nachhaltige Unternehmen aufbauen will, muss zwischen Hochleistung und Selbstverschleiß unterscheiden.

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