1.000 Serviceagenten: Trade Republic baut Kundenservice aus
Trade Republic investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in neuen Kundenservice und reagiert auf Kritik an Erreichbarkeit und Depotproblemen.
Trade Republic reagiert auf die anhaltende Kritik an seiner Kundenbetreuung mit einer großen Service-Offensive. Der Berliner Online-Broker bietet nach eigenen Angaben ab sofort allen Nutzern eine persönliche Betreuung rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche und kostenlos direkt über die App an. Kunden sollen das Unternehmen per Telefon, Live-Chat oder Rückruf erreichen können.
Dafür stellt Trade Republic nach Unternehmensangaben mehr als 1.000 geschulte Serviceagenten bereit, die in acht Sprachen unterstützen. Zusätzlich investiert das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau des Supports und integriert mehr als 30 neue Funktionen in die App. Dazu zählen unter anderem zusätzliche Passwortfunktionen und neue Analysetools für Anleger. Laut Mitgründer Christian Hecker wurde der Kundenservice „von Grund auf neu entwickelt“. Der Rollout soll in den kommenden Wochen in Deutschland und weiteren Kernmärkten vollständig erfolgen.
Trade Republic reagiert damit auf ein Problem, das das Unternehmen seit Längerem begleitet. Der Neobroker ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und hat sich vom günstigen Aktienbroker zu einer breiteren Finanzplattform entwickelt. Heute zählt das Unternehmen mehr als 10 Mio. Kunden in Europa, davon mehr als 5 Mio. in Deutschland, und verwaltet mehr als 150 Mrd. EUR Kundenvermögen. Ende 2025 wurde Trade Republic mit einer Bewertung von 12,5 Mrd. EUR zum wertvollsten deutschen Startup.
Wachstum, Expansion und wachsender Druck
Gegründet wurde Trade Republic als mobiler Broker für den Wertpapierhandel. Während der Corona-Pandemie profitierte das Unternehmen stark vom Boom bei privaten Anlegern. Seit 2023 verfügt die Firma über eine Vollbanklizenz und hat ihr Angebot deutlich verbreitert. Inzwischen gehören auch Bezahlkarten, Girokonten und verzinste Guthaben zum Produktportfolio. Parallel expandierte das Unternehmen in mehrere europäische Märkte, darunter Frankreich, Italien und Spanien.
Gerade diese Entwicklung macht den Kundenservice strategisch wichtiger. Wer sich nicht mehr nur als Broker, sondern als tägliche Finanz-App und perspektivisch als Hausbank positionieren will, braucht verlässliche Erreichbarkeit. Das gilt besonders bei sensiblen Themen wie Depotüberträgen, Kontosperrungen, Identitätsprüfung oder Problemen mit Ein- und Auszahlungen. Genau in diesen Bereichen stand Trade Republic zuletzt immer wieder in der Kritik.
Imageproblem in einem sensiblen Markt
Mehrere Negativschlagzeilen hatten am Image des Unternehmens gekratzt. Nach einem Bericht des Handelsblatts registrierten die Verbraucherzentralen in Deutschland von Januar bis September 2025 mehr als 300 Beschwerden zu Trade Republic. Das waren demnach mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Als Hauptgrund galt ein schwer oder gar nicht erreichbarer Kundenservice. Das Unternehmen verwies damals auf das starke Wachstum: Die Zahl der Nutzer habe sich binnen 18 Monaten nahezu verdoppelt.
Für den deutschen und europäischen Fintech-Markt ist der Schritt deshalb mehr als eine operative Verbesserung. Er zeigt, dass günstige Preise, einfache Apps und hohe Zinsen allein nicht reichen, wenn Nutzer im Problemfall keinen Ansprechpartner finden. Trade Republic wirbt weiterhin mit niedrigen Gebühren, kostenfreien ETF-Sparplänen und der Weitergabe des EZB-Einlagenzinses an Kunden, aktuell 2,0 Prozent. Doch je näher das Unternehmen an das klassische Bankgeschäft rückt, desto stärker steigen auch die Erwartungen an Stabilität, Erreichbarkeit und Vertrauen.
Für Gründer und Investoren in der DACH-Region ist das ein bekanntes Muster: Wachstum schafft Sichtbarkeit, aber auch neue Reibungspunkte. Wer in regulierten Märkten skaliert, muss Service, Prozesse und Compliance fast ebenso schnell ausbauen wie Produkt und Reichweite. Trade Republic versucht nun, genau diese Lücke zu schließen und formuliert ein klares Ziel: In den kommenden zwölf Monaten will das Unternehmen nach eigenen Angaben den besten Kundenservice aller Banken in Europa betreiben.
Vollständiger Artikel auf t3n