45.000 Beschäftigte: Samsung droht Mega-Streik bei Chips
Ein möglicher Mega-Streik bei Samsung könnte globale Lieferketten und die KI-Chipindustrie massiv unter Druck setzen.
Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung Electronics steht vor dem größten Streik seiner Unternehmensgeschichte. Ab dem 21. Mai wollen laut Schätzungen rund 45.000 Beschäftigte die Arbeit niederlegen. Im Zentrum stehen höhere Löhne, Bonuszahlungen und die Frage, wer vom KI-Boom in der Chipindustrie profitiert.
Für die globale Halbleiterbranche könnte der Konflikt weitreichende Folgen haben. Samsung zählt zu den wichtigsten Produzenten von Speicherchips und ist gleichzeitig ein zentraler Auftragsfertiger für internationale Tech-Konzerne.
KI-Boom verschärft den Konflikt
Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Grundgehalt sowie Bonuszahlungen in Höhe von 15 Prozent des operativen Jahresgewinns. Hintergrund ist der massive Gewinnanstieg durch die hohe Nachfrage nach KI-Chips und Speicherlösungen für Rechenzentren.
Besonders kritisch sehen Beschäftigte die Unterschiede zu Konkurrenten wie SK Hynix. Das Unternehmen hat Bonusobergrenzen abgeschafft und koppelt variable Vergütungen direkt an den operativen Gewinn. Bei Samsung liegen die Boni dagegen deutlich niedriger.
Für Startup-Gründer und Investoren in Europa zeigt der Konflikt erneut, wie stark globale Lieferketten von wenigen Halbleiterkonzernen abhängig bleiben. Bereits kleinere Produktionsausfälle könnten sich auf Hardware-Startups, Automotive-Unternehmen und KI-Infrastrukturprojekte auswirken.
Milliardenrisiko für Samsung und Lieferketten
Laut Schätzungen der Bank JPMorgan könnte ein längerer Arbeitskampf Samsung bis zu 20,8 Mrd. USD operativen Gewinn kosten. Besonders sensibel ist die Lage, weil die Speicherchippreise zuletzt stark gestiegen sind und die Nachfrage durch KI-Anwendungen weiter wächst.
Zusätzliche Spannungen entstehen innerhalb des Konzerns selbst. Laut internen Verhandlungsprotokollen sollen Mitarbeitende der profitablen Speicherchip-Sparte Boni von bis zu 607 Prozent ihres Jahresgehalts erhalten, während Beschäftigte der verlustreichen Foundry-Sparte lediglich auf 50 bis 100 Prozent kommen.
Die südkoreanische Regierung beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Wegen der enormen Bedeutung von Samsung für die nationale Wirtschaft könnte Seoul sogar eine Zwangsschlichtung einleiten. Bereits jetzt warnen Behörden vor möglichen Schäden für Konjunktur und internationale Lieferketten.
Für europäische Startups im Bereich AI, Mobility oder Deeptech bleibt die Situation besonders relevant. Viele junge Unternehmen hängen direkt oder indirekt von stabilen Halbleiterlieferungen aus Asien ab. Ein längerer Streik könnte daher erneut Lieferzeiten verlängern und Hardwarekosten erhöhen.
Vollständiger Artikel auf Handelsblatt